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Finanzierung

Eigenkapital beim Immobilienkauf: Wie viel brauchen Sie wirklich?

Wie viel Eigenkapital braucht man für den Immobilienkauf? Wir zeigen die verschiedenen Szenarien und ihre Auswirkungen.

Orhan Keserli

Orhan Keserli

Immobilienmakler (IHK), homefin GmbH · 22. Januar 2025 · 8 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit 30 % statt 10 % Eigenkapital sparen Sie bei 400.000 Euro Kaufpreis über 15 Jahre rund 43.000 Euro an Zinsen.
  • Die Kaufnebenkosten in NRW betragen ca. 10-12 % des Kaufpreises und sollten mindestens aus Eigenkapital finanziert werden.
  • Neben Bargeld zählen auch Bausparverträge, Wertpapiere, Eigenleistungen und Verwandtendarlehen als Eigenkapital.
  • Banken bewerten Wertpapiere als Eigenkapital häufig nur mit einem Sicherheitsabschlag von 50-80 % des Kurswerts.
  • Kinder können von jedem Elternteil alle 10 Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei geschenkt bekommen.

Eigenkapital: der Schlüssel zur günstigen Finanzierung

Der Traum von der eigenen Immobilie beginnt mit einer entscheidenden Frage: Wie viel Eigenkapital brauche ich wirklich? Wer in Monheim am Rhein oder im Umkreis eine Wohnung oder ein Haus kaufen möchte, steht vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen Eigenkapital und Fremdfinanzierung zu finden. Eines steht fest: Das Eigenkapital ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Immobilienfinanzierung. Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto günstiger wird Ihr Kredit, desto geringer ist Ihr finanzielles Risiko und desto entspannter wird die gesamte Finanzierung.

In diesem ausführlichen Ratgeber erklären wir Ihnen, was als Eigenkapital gilt, wie verschiedene Eigenkapitalquoten Ihre Finanzierung beeinflussen und welche Strategien Ihnen helfen, Ihr Eigenkapital effektiv aufzubauen. Gerade in Nordrhein-Westfalen, wo die Kaufnebenkosten durch die hohe Grunderwerbsteuer von 6,5 % besonders ins Gewicht fallen, ist eine fundierte Planung unerlässlich.

Was zählt als Eigenkapital?

Viele angehende Immobilienkäufer denken bei Eigenkapital ausschließlich an Bargeld auf dem Girokonto. Doch die gute Nachricht ist: Die Palette an Eigenkapitalquellen ist deutlich breiter. Banken akzeptieren verschiedene Vermögenswerte als Eigenkapital, die Sie in Ihre Finanzierung einbringen können.

Klassische Eigenkapitalquellen

  • Spareinlagen und Tagesgeld: Das Geld auf Ihren Spar-, Tages- und Festgeldkonten ist die liquideste Form des Eigenkapitals und wird von jeder Bank sofort anerkannt.
  • Bausparverträge: Sowohl bereits zuteilungsreife als auch noch in der Ansparphase befindliche Bausparverträge zählen als Eigenkapital. Das angesparte Guthaben kann direkt eingesetzt werden, während das zugeteilte Darlehen zu einem garantierten Zinssatz genutzt werden kann.
  • Wertpapiere: Aktien, Investmentfonds, ETFs und Anleihen können als Eigenkapital angerechnet werden. Beachten Sie jedoch, dass Banken Wertpapiere häufig nur zu einem Sicherheitsabschlag von 50 bis 80 % des aktuellen Kurswerts bewerten.

Erweiterte Eigenkapitalquellen

  • Bestehendes Immobilienvermögen: Wenn Sie bereits eine Immobilie besitzen, kann deren lastenfreier Wert als Sicherheit dienen. Die Bank kann eine zusätzliche Grundschuld auf Ihre Bestandsimmobilie eintragen.
  • Eigenleistungen (Muskelhypothek): Bei Neubau oder Renovierungsprojekten können handwerkliche Eigenleistungen als Eigenkapital angerechnet werden. Banken akzeptieren in der Regel bis zu 15 % der Bausumme als Muskelhypothek. Vorausgesetzt, die Arbeiten sind realistisch und fachlich vertretbar.
  • Arbeitgeberdarlehen: Manche Arbeitgeber bieten günstige Darlehen als Teil ihrer Mitarbeiterbindung an. Diese Darlehen werden von Banken positiv bewertet und können die Eigenkapitalquote verbessern.
  • Verwandtendarlehen und Schenkungen: Darlehen oder Schenkungen von Familienmitgliedern sind eine häufig genutzte Eigenkapitalquelle. Tipp: Dokumentieren Sie Verwandtendarlehen schriftlich mit Rückzahlungsmodalitäten, damit die Bank sie korrekt einordnen kann.
  • Rückkaufswerte von Lebensversicherungen: Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen haben einen Rückkaufswert, der als Eigenkapital berücksichtigt werden kann. Entweder durch Auflösung oder als Sicherheit.

Eigenkapital-Checkliste: Was können Sie einbringen?

EigenkapitalquelleAnrechnung durch die BankHinweis
Bargeld / Tagesgeld100 %Sofort verfügbar
Festgeld100 %Laufzeit beachten
Bausparvertrag (Guthaben)100 %Auszahlung beantragen
Aktien / ETFs / Fonds50 bis 80 %Kursrisiko wird einkalkuliert
BestandsimmobilieVerkehrswert abzgl. RestschuldZusätzliche Grundschuld nötig
Eigenleistungen (Muskelhypothek)Bis ca. 15 % der BausummeNur bei Neubau / Sanierung
Lebensversicherung (Rückkaufswert)80 bis 100 %Prüfen Sie Vertragsbedingungen
Verwandtendarlehen100 %Schriftlicher Vertrag empfohlen
Arbeitgeberdarlehen100 %Konditionen prüfen

Szenarien im Vergleich: So wirkt sich das Eigenkapital auf Ihre Finanzierung aus

Die Höhe des Eigenkapitals hat einen direkten Einfluss auf den Zinssatz, den Ihnen die Bank anbietet. Der Grund: Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto geringer ist das Risiko für die Bank. Und desto günstiger sind Ihre Konditionen. Im Folgenden vergleichen wir drei typische Szenarien anhand einer Immobilie mit einem Kaufpreis von 400.000 Euro in NRW.

Annahmen für alle Szenarien:

  • Kaufpreis: 400.000 Euro
  • Kaufnebenkosten in NRW: ca. 40.000 Euro (Grunderwerbsteuer 6,5 %, Notar & Grundbuch ca. 2 %, Makler ab 1,95 % inkl. MwSt. bei homefin)
  • Zinsbindung: 15 Jahre
  • Anfängliche Tilgung: 2 %

Szenario 1: 10 % Eigenkapital (40.000 Euro)

ParameterWert
Eigenkapital40.000 Euro
Kreditbetrag400.000 Euro (inkl. Nebenkosten)
Zinssatz (ca.)4,2 %
Monatliche Rateca. 2.067 Euro
Restschuld nach 15 Jahrenca. 265.000 Euro
Gesamtzinskosten nach 15 Jahrenca. 107.000 Euro

Bewertung: Eine Finanzierung mit nur 10 % Eigenkapital ist möglich, aber teuer. Die Bank verlangt einen Risikoaufschlag, da der Beleihungsauslauf über 90 % liegt. Die monatliche Belastung ist hoch, und die Gesamtzinskosten steigen deutlich.

Szenario 2: 20 % Eigenkapital (80.000 Euro)

ParameterWert
Eigenkapital80.000 Euro
Kreditbetrag360.000 Euro (inkl. Nebenkosten)
Zinssatz (ca.)3,8 %
Monatliche Rateca. 1.740 Euro
Restschuld nach 15 Jahrenca. 232.000 Euro
Gesamtzinskosten nach 15 Jahrenca. 81.000 Euro

Bewertung: Mit 20 % Eigenkapital erreichen Sie einen deutlich besseren Zinssatz. Die monatliche Belastung sinkt um rund 327 Euro im Vergleich zu Szenario 1. Das entspricht einer jährlichen Ersparnis von fast 4.000 Euro.

Szenario 3: 30 % Eigenkapital (120.000 Euro)

ParameterWert
Eigenkapital120.000 Euro
Kreditbetrag320.000 Euro (inkl. Nebenkosten)
Zinssatz (ca.)3,5 %
Monatliche Rateca. 1.467 Euro
Restschuld nach 15 Jahrenca. 200.000 Euro
Gesamtzinskosten nach 15 Jahrenca. 64.000 Euro

Bewertung: Mit 30 % Eigenkapital erhalten Sie die besten Konditionen. Gegenüber Szenario 1 sparen Sie über die gesamte Zinsbindung rund 43.000 Euro an Zinsen. Die monatliche Rate ist 600 Euro niedriger. Ein gewaltiger Unterschied für das Haushaltsbudget.

Gesamtvergleich auf einen Blick

Kriterium10 % EK20 % EK30 % EK
Eigenkapital40.000 Euro80.000 Euro120.000 Euro
Kreditbetrag400.000 Euro360.000 Euro320.000 Euro
Zinssatzca. 4,2 %ca. 3,8 %ca. 3,5 %
Monatliche Rateca. 2.067 Euroca. 1.740 Euroca. 1.467 Euro
Zinskosten (15 J.)ca. 107.000 Euroca. 81.000 Euroca. 64.000 Euro
Ersparnis ggü. 10 % EKkeineca. 26.000 Euroca. 43.000 Euro

Mindestens die Nebenkosten selbst tragen

Die absolute Untergrenze beim Eigenkapital sollte sein, dass Sie zumindest die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln finanzieren können. In NRW liegen diese bei ca. 10 bis 12 % des Kaufpreises und setzen sich wie folgt zusammen:

KostenartAnteilBei 400.000 Euro Kaufpreis
Grunderwerbsteuer6,5 %26.000 Euro
Notar- und Grundbuchkostenca. 2,0 %ca. 8.000 Euro
Maklerprovision (ab homefin)ab 1,95 % inkl. MwSt.ab 7.800 Euro
Gesamtca. 10,5 %ca. 41.800 Euro

Der Grund ist einfach: Die Kaufnebenkosten schaffen keinen materiellen Gegenwert, den die Bank als Sicherheit verwenden kann. Deshalb lehnen die meisten Banken eine Finanzierung ab, bei der nicht einmal die Nebenkosten durch Eigenkapital gedeckt sind.

Was passiert bei einer 100-%-Finanzierung?

Eine Vollfinanzierung (Kaufpreis komplett ohne Eigenkapital) ist bei einigen wenigen Banken möglich, birgt aber erhebliche Risiken:

  • Höherer Zinssatz: Rechnen Sie mit einem Zinsaufschlag von 0,5 bis 1,0 Prozentpunkten.
  • Strengere Bonitätsanforderungen: Sie benötigen ein sehr hohes, sicheres Einkommen.
  • Überschuldungsrisiko: Wenn die Immobilienpreise fallen, kann der Kredit den Wert der Immobilie übersteigen.
  • Längere Laufzeit: Die Entschuldung dauert deutlich länger.

Eine 110-%-Finanzierung (Kaufpreis plus Nebenkosten) ist noch riskanter und wird nur in Ausnahmefällen gewährt.

Eigenkapital aufbauen: bewährte Strategien

Wenn Ihr aktuelles Eigenkapital noch nicht ausreicht, gibt es mehrere erprobte Wege, um es systematisch aufzubauen:

1. Automatisierter Sparplan

Richten Sie einen Dauerauftrag ein, der am Tag des Gehaltseingangs einen festen Betrag auf ein separates Sparkonto überweist. Behandeln Sie diesen Betrag wie eine fixe Ausgabe. Nicht als „was übrig bleibt".

Rechenbeispiel: Bei einer monatlichen Sparrate von 800 Euro haben Sie nach 5 Jahren bereits 48.000 Euro angespart (ohne Zinsen). Mit Zinsen und Zinseszins kann der Betrag noch höher ausfallen.

2. Bausparvertrag mit staatlicher Förderung

Ein Bausparvertrag bietet gleich mehrere Vorteile: Sie sparen diszipliniert an, erhalten möglicherweise Wohnungsbauprämie (bis zu 70 Euro/Jahr für Alleinstehende, 140 Euro/Jahr für Verheiratete) und sichern sich einen garantierten Darlehenszins für die Zukunft.

3. ETF-Sparplan für die mittlere Frist

Wenn Ihr Kaufzeitpunkt 5 bis 10 Jahre in der Zukunft liegt, kann ein breit gestreuter ETF-Sparplan (z. B. auf den MSCI World) eine höhere Rendite als klassische Sparprodukte erzielen. Beachten Sie aber das Kursrisiko und planen Sie vor dem Kauf eine Umschichtung in sichere Anlagen.

4. Familiäre Unterstützung intelligent nutzen

Schenkungen von Eltern oder Großeltern sind eine der häufigsten Eigenkapitalquellen. Nutzen Sie die steuerlichen Freibeträge: Kinder können von jedem Elternteil alle 10 Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei geschenkt bekommen. Dokumentieren Sie Schenkungen oder Verwandtendarlehen immer schriftlich.

5. Nebeneinkünfte gezielt einsetzen

Überlegen Sie, ob Sie durch einen Nebenjob, Freelance-Tätigkeiten oder den Verkauf nicht mehr benötigter Gegenstände zusätzliches Eigenkapital generieren können. Jeder Euro zählt.

6. Staatliche Förderungen prüfen

Informieren Sie sich über Förderprogramme wie das KfW-Wohneigentumsprogramm (Programm 124), das Baukindergeld (wenn noch verfügbar) oder landesspezifische Fördermittel der NRW.BANK. Diese Programme können Ihre Finanzierung erheblich erleichtern.

Orhan Keserli

Über den Autor

Orhan Keserli

Immobilienmakler (IHK) und Geschäftsführer der homefin GmbH in Monheim am Rhein. Bewertet, vermarktet und verhandelt persönlich, von der ersten Bewertung bis zur Übergabe.

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Was ist Ihre Immobilie wert?

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel Eigenkapital sollte man mindestens beim Immobilienkauf mitbringen?

Als absolute Untergrenze sollten Sie zumindest die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln finanzieren können, da diese keinen materiellen Gegenwert schaffen. Empfohlen werden mindestens 20 % des Kaufpreises plus die vollständigen Kaufnebenkosten.

Ist ein Immobilienkauf ganz ohne Eigenkapital möglich?

Eine Vollfinanzierung ist bei wenigen Banken möglich, aber sehr schwierig und teuer. Sie benötigen eine hervorragende Bonität, ein hohes sicheres Einkommen und müssen mit einem Zinsaufschlag von 0,5-1,0 Prozentpunkten rechnen.

Sollte ich mein gesamtes Erspartes als Eigenkapital einsetzen?

Nein, behalten Sie immer eine Sicherheitsreserve von mindestens 3-6 Monatsgehältern zurück. Unvorhergesehene Ausgaben wie Reparaturen oder berufliche Veränderungen dürfen Ihre Finanzierung nicht gefährden.

Werden Eigenleistungen wirklich als Eigenkapital anerkannt?

Ja, allerdings nur begrenzt. Banken akzeptieren Eigenleistungen in der Regel bis zu 15 % der Bausumme. Sie müssen nachweisen können, dass Sie die Arbeiten fachgerecht ausführen können. Malerarbeiten und Bodenverlegung werden häufiger anerkannt als Elektro- oder Sanitärinstallation.

Lohnt es sich, mit dem Kauf zu warten und mehr Eigenkapital anzusparen?

Das hängt von der Entwicklung der Immobilienpreise, der Zinsentwicklung und Ihrer Mietsituation ab. In einem Markt mit steigenden Preisen und Zinsen kann ein früherer Kauf mit weniger Eigenkapital wirtschaftlich sinnvoller sein als jahrelanges Sparen.

Orhan Keserli

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